Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte – Axel Hacke | Rezension

📖 Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte von Axel Hacke
Essay · Einzelband


📚 Darum geht’sAxel Hacke geht der Frage nach, was Heiterkeit in schwierigen Zeiten bedeutet und warum sie gerade in einer krisengeprägten Welt eine wertvolle Haltung sein kann.
💭 Mein EindruckEin kluges Essay mit interessanten Gedanken und vielen philosophischen Bezügen. Die Grundidee hat mich neugierig gemacht, doch die vielen Zitate und Abschweifungen haben den roten Faden für mich oft verloren gehen lassen.
⭐ Bewertung⭐⭐⭐☆☆ (3/5)

Manchmal weckt schon ein Buchtitel große Erwartungen.

Genau so ging es mir bei diesem Buch. Nach meinem persönlichen Schicksalsjahr 2023 beschäftigt mich die Frage, wie man trotz allem wieder mehr Leichtigkeit ins Leben lassen kann. Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich: Vielleicht finde ich hier neue Gedanken, die mir wirklich weiterhelfen. Entsprechend neugierig bin ich an dieses Buch herangegangen.

„Ein heiterer Mensch zu sein, bedeutet nicht, das Schwere zu ignorieren, sondern es in etwas Leichtes zu verwandeln.“

Worum geht’s?

Axel Hacke geht der Frage nach, was Heiterkeit eigentlich bedeutet und warum sie gerade in schwierigen Zeiten so wertvoll sein kann. Dabei spannt er einen weiten Bogen von der Antike bis in die Gegenwart, greift philosophische und literarische Gedanken auf und verbindet sie mit eigenen Beobachtungen zum Weltgeschehen.

Es ist kein klassischer Ratgeber, sondern vielmehr ein persönliches Essay – ein Plädoyer dafür, den Ernst des Lebens nicht zu verdrängen und trotzdem eine heitere Haltung zu bewahren.

📖 Ein spannender Gedanke als Ausgangspunkt

Die Grundidee des Buches hat mich sofort angesprochen. Gerade weil wir in einer Zeit leben, die von Krisen, Unsicherheit und negativen Nachrichten geprägt ist, fand ich die Frage nach der Heiterkeit unglaublich aktuell.

Hacke schreibt offen und direkt und regt immer wieder zum Nachdenken an. Manche seiner Gedanken konnte ich gut nachvollziehen, und einige Passagen haben mich tatsächlich innehalten lassen.

💛 Interessante Denkanstöße …

Besonders gefallen hat mir, dass Hacke Heiterkeit nicht mit oberflächlicher Fröhlichkeit verwechselt. Für ihn bedeutet sie vielmehr eine innere Haltung, die auch dann bestehen kann, wenn das Leben gerade nicht leicht ist. Dieser Gedanke zieht sich durch das ganze Buch und hat mir durchaus gefallen.

Auch seine Sprache liest sich angenehm und flüssig. Man merkt, dass hier ein erfahrener Kolumnist schreibt.

🤔 … aber leider zu viele Umwege

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr hatte ich allerdings das Gefühl, dass sich das eigentliche Thema immer weiter verzettelt.

Hacke zitiert unzählige Philosophen, Schriftsteller und Denker – von der Antike bis in die Gegenwart. Grundsätzlich finde ich solche Bezüge spannend. Hier waren es für meinen Geschmack aber einfach zu viele. Teilweise hatte ich den Eindruck, mehr Zitate als eigene Gedanken zu lesen.

Dazu kommen ausführliche Exkurse über Filme, Literatur oder aktuelle politische Ereignisse, die mich oft eher vom eigentlichen Thema weggeführt haben. An einigen Stellen habe ich mich gefragt, warum bestimmte Beispiele überhaupt erzählt werden, weil sie für mich wenig zur Frage nach der Heiterkeit beigetragen haben.

🤍 Ehrliche Kritik

Mein größter Kritikpunkt ist, dass das Buch die Frage, die mich überhaupt zum Kauf bewegt hat, letztlich kaum beantwortet.

Auf dem Klappentext wird die spannende Überlegung aufgeworfen, wie es gelingen kann, ein heiterer Mensch zu werden. Genau darauf hatte ich gehofft. Die Antworten bleiben für mich jedoch sehr allgemein: freundlich sein, lächeln, zuhören, Trost spenden – alles schöne Gedanken, aber nichts, was ich nicht schon aus vielen anderen Büchern oder Gesprächen kenne.

Außerdem fehlte mir ein klarer roter Faden. Viele Kapitel wirkten auf mich wie eigenständige Gedankensammlungen, die nur lose miteinander verbunden sind. Dadurch wurde das Lesen stellenweise anstrengend, obwohl das Buch mit gut 220 Seiten gar nicht besonders umfangreich ist.

Hinzu kommt, dass Hacke immer wieder seine persönlichen Ansichten zu gesellschaftlichen oder politischen Themen einfließen lässt. Das ist natürlich sein gutes Recht, hat mich aber teilweise eher vom eigentlichen Thema abgelenkt als bereichert.

Schade fand ich auch, dass der Ton des Buches insgesamt deutlich ernster ist, als Titel und Cover vermuten lassen. Ich hatte mir mehr Leichtigkeit und Inspiration erhofft.

Fazit

Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten ist ein kluges, belesenes Essay mit interessanten Gedanken und vielen philosophischen Bezügen. Wer Freude daran hat, literarische und historische Zitate einzuordnen und sich auf längere Gedankengänge einzulassen, wird hier sicherlich einiges entdecken.

Mich persönlich konnte das Buch jedoch nicht so erreichen, wie ich es mir erhofft hatte. Die Grundidee fand ich großartig, die Umsetzung blieb für mich aber zu ausschweifend und verlor den Fokus auf die eigentliche Fragestellung. Statt mit einem Gefühl von Heiterkeit habe ich das Buch eher mit dem Gedanken zugeklappt, dass hier deutlich weniger manchmal mehr gewesen wäre.

3 von 5 ⭐


Wie seht ihr das?
Lest ihr Essays gerne – oder erwartet ihr bei einem Titel wie diesem auch eher konkrete Impulse für den eigenen Alltag?

📚 Rezension zu einem selbstgekauften Exemplar.

Eure Miriam

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