Papa weg. Mama müde. Ich laut. – Parshad Esmaeili | Rezension

📖 Papa weg. Mama müde. Ich laut.: Monolog einer Alleinerzogenen von Parshad Esmaeili
Autobiografischer Roman / Memoir · Einzelband


📚 Darum geht’sParshad Esmaeili erzählt offen von ihrer Kindheit, Einsamkeit, familiären Konflikten und ihrem Weg ins Rampenlicht – und davon, dass Erfolg nicht automatisch innere Leere füllt.
💭 Mein EindruckMutig, ehrlich und sprachlich stellenweise sehr poetisch. Die fragmentarische Erzählweise und der fehlende rote Faden konnten mich jedoch nicht wirklich mitnehmen und ließen mich emotional auf Distanz.
⭐ Bewertung⭐⭐☆☆☆ (2/5)

Manchmal verspricht ein Titel etwas, das das Buch am Ende gar nicht sein möchte.

Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von Papa weg. Mama müde. Ich laut.. Titel und Klappentext haben in mir die Erwartung geweckt, eine zusammenhängende, emotionale Geschichte zu lesen. Bekommen habe ich stattdessen einen sehr persönlichen Einblick in das Leben der Autorin – ehrlich, roh und mutig, aber ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

„Manche Wunden erzählen keine geraden Geschichten – sie kommen in Erinnerungsfetzen zurück.“

Worum geht’s?

Parshad Esmaeili blickt auf ihre Kindheit zwischen Einsamkeit, familiären Konflikten und der Suche nach Zugehörigkeit zurück. Sie erzählt von ihrer Mutter, ihrem abwesenden Vater, ihrer iranischen Familie und davon, wie sie schon früh gelernt hat, Gefühle hinter Humor und Leistung zu verstecken.

Gleichzeitig berichtet sie von ihrem Weg ins Rampenlicht – von Social Media, der Bühne und dem Wunsch, Menschen zum Lachen zu bringen. Doch auch öffentlicher Erfolg kann das Gefühl von Einsamkeit nicht einfach verschwinden lassen.

💜 Ehrlich und mutig

Am meisten beeindruckt hat mich die Offenheit, mit der Parshad Esmaeili über ihr Leben schreibt. Sie spart weder familiäre Konflikte noch ihre psychischen Belastungen aus und spricht auch über Burnout, den Druck der Öffentlichkeit und die Sehnsucht nach Anerkennung.

Gerade dieser Mut verdient für mich großen Respekt. Es gehört viel dazu, so persönliche Erfahrungen öffentlich zu machen.

✍️ Zwischen poetisch und schonungslos

Sprachlich hat mich das Buch immer wieder überrascht. Die Autorin schreibt stellenweise sehr direkt und derb, findet aber gleichzeitig Bilder, die Gefühle und Erinnerungen auf eine beinahe poetische Weise beschreiben.

Diese Mischung hat mir gut gefallen und macht das Buch stellenweise sehr eindringlich.

🤍 Ehrliche Kritik

Trotz dieser Stärken hat mich das Buch insgesamt leider nicht erreicht.

Für mich wirkte es eher wie eine Sammlung persönlicher Erinnerungen oder Tagebucheinträge als wie eine durchgehende Geschichte. Die vielen Zeitsprünge und Gedankensprünge spiegeln zwar vermutlich bewusst die Art wider, wie Erinnerungen funktionieren, sorgten bei mir aber immer wieder dafür, dass ich den roten Faden verloren habe.

Hinzu kommt, dass der Titel und die Buchbeschreibung bei mir eine andere Erwartung geweckt haben. Ich hatte auf eine erzählerisch stärkere Geschichte gehofft und weniger auf eine autobiografische Momentaufnahme.

Auch emotional blieb ich überraschend auf Distanz. Obwohl schwere Themen wie Einsamkeit, familiäre Verletzungen und psychische Belastungen im Mittelpunkt stehen, hat mich das Buch nicht so berührt, wie ich es erwartet hatte.

Schade fand ich außerdem, dass sich manche Passagen für mich sehr selbstbezogen anfühlten und die eigentliche Entwicklung der Autorin dadurch etwas in den Hintergrund rückte.

Fazit

Papa weg. Mama müde. Ich laut. ist ein sehr persönliches Buch über Einsamkeit, Familie und die Suche nach Anerkennung. Wer autobiografische Texte mag und sich auf eine fragmentarische Erzählweise einlassen kann, wird hier sicherlich viele ehrliche und mutige Momente entdecken.

Mich hat das Buch leider nicht so überzeugt, wie ich gehofft hatte. Ich habe den Mut der Autorin und ihre Offenheit sehr geschätzt, konnte jedoch weder eine emotionale Verbindung zur Geschichte aufbauen noch hat mich die Erzählweise wirklich mitgenommen.

Vielleicht lag das auch an meinen Erwartungen – denn nach Titel und Klappentext hatte ich ein anderes Buch vor Augen.


Wie wichtig ist euch bei autobiografischen Büchern ein roter Faden? Mögt ihr eher chronologisch erzählte Lebensgeschichten oder dürfen Erinnerungen auch ganz frei und sprunghaft erzählt werden?

📚 Rezension zu einem selbstgekauften Exemplar.

Eure Miriam

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