Dorn – Ruf der Toten: Zimmer 203 – Jan Beck | Rezension

📖 Dorn – Ruf der Toten: Zimmer 203 von Jan Beck

Thriller · Jan Beck · Band 2 der Dorn-Reihe

📚 Darum geht’sEine KI kommuniziert nach dem Tod ihrer Besitzerin weiter – und verstrickt Privatdetektiv Dorn in einen komplexen Mordfall
💭 Mein EindruckClevere Idee, angenehmer Schreibstil – aber zu wenig Ermittlung und ein Hauptcharakter der blass bleibt
⭐ Bewertung⭐⭐⭐

Ich hab das Buch zugeklappt und saß da mit einem Gefühl, das ich schwer in Worte fassen kann. Nicht Enttäuschung genau. Eher so ein leises „Da wäre mehr drin gewesen.“ Und das Gefühl ist auch Tage später noch nicht ganz weg.

„Was wollen Sie?“ – „Ich will dich unsterblich machen.“

Nachdem mir Band 1 solide gefallen hatte, wollte ich nicht nach dem ersten Teil aufhören. Vor allem weil da noch dieses Geheimnis um Zimmer 777 in der Luft hing. Also musste Band 2 her. Würde er mich mehr packen?



WORUM GEHT’S

Simon Dorn steckt nach dem Tod seiner Sponsorin Karla Hofbauer finanziell in der Klemme. Als er über das Internet von einer mysteriösen Frau kontaktiert wird, klingt es zunächst nach einem normalen Hilferuf. Doch als sie den Kontakt abbricht und Lea Wagner nachsieht – ist die Frau tot. Verdurstet. Seit Wochen. Daneben läuft ein Computer, auf dem eine KI in ihrem Namen weiter mit Dorn kommuniziert hat.

Der Fall zieht Dorn und Wagner in ein Netz aus alten Morden, digitaler Identität und der Frage, wie weit ein Mörder gehen kann – und ob er zurückgekehrt ist. Alles dreht sich dabei um das verlassene Hotel Dornwald in Bad Gastein, das Dorn Zimmer für Zimmer in einen Schaukasten ungelöster Fälle verwandelt hat.


WAS MICH BEGEISTERT HAT

🤖  Das KI-Thema.  Die Idee, dass eine KI nach dem Tod einer Person weiter kommuniziert, ihre Stimme imitiert und dabei einen Kriminalfall steuert – das ist faszinierend und gleichzeitig beunruhigend. Nicht weil es Science-Fiction wäre, sondern weil es gar nicht so weit von unserer Realität entfernt wirkt. Die moralischen Fragen dahinter haben mich wirklich beschäftigt.

🕸️  Das Spinnennetz-Konstrukt.  Viele fein miteinander verzahnte Handlungsstränge, verschiedene Perspektiven, eine Vergangenheitsebene, die nach und nach Puzzlestücke offenbart. Das Gesamtbild wächst langsam, aber konsequent. Wer komplexe Thriller mag, kommt hier auf seine Kosten.

✍️  Der Schreibstil.  Sehr flüssig. Man ist schnell wieder drin, auch nach einer Pause. Jan Beck schreibt so, dass die Seiten sich fast von selbst drehen – das ist keine Selbstverständlichkeit.

🐕  Buddy.  Der weiße Schäferhund. Den hab ich schon in Band 1 fest ins Herz geschlossen und er ist für mich der charmante Lichtblick in dieser düsteren Geschichte.

👩  Lea Wagner.  Kompetent, diszipliniert, aber auch chaotisch und mit einem echten Dickkopf gesegnet. In diesem Band lerne ich ihre Familie kennen, was moralische Konflikte mit sich bringt. Sie bleibt eine der stärksten Figuren der Reihe.


EHRLICHE KRITIK

😶  Dorn bleibt blass.  Er ist der Namensgeber der Reihe – und trotzdem hat er für mein Empfinden zu wenig zur eigentlichen Ermittlung beigetragen. In Band 1 war das schon so, hier hat sich’s leider wiederholt.

⚡  Die kurzen Kapitel und Perspektivwechsel.  Das soll Spannung erzeugen. Bei mir hat es das Gegenteil bewirkt. Kaum war ich wirklich drin, wechselte die Szene wieder. Die Spannung ist dadurch eher gesunken als gestiegen.

🔍  Zu wenig klassische Ermittlung.  Die eigentliche Detektivarbeit von Dorn und Wagner kam mir deutlich zu kurz. Ich hätte mir mehr davon gewünscht – genau das fehlt mir für den richtigen Thriller-Vibe.

📦  Zu oberflächlich.  Das KI-Thema hat riesiges Potenzial – wird aber nicht wirklich ausgeschöpft. Auch Leas Bruder Karl und die Investigativjournalistin Tamara Weigert bleiben blass. Der Karl-Strang wirkte auf mich stellenweise wie ein Lückenbericht.

🏁  Das Ende.  Man merkt, dass hier eine Brücke zum dritten Band gebaut werden soll. Das ist legitim – aber als eigenständiger Abschluss hat es mich nicht ganz überzeugt.


FAZIT

Zimmer 203 ist ein solider Thriller mit einer wirklich zeitgemäßen Idee. Das Spinnennetz-Konstrukt ist clever, der Schreibstil angenehm, und das KI-Thema hätte das Potenzial gehabt, wirklich unter die Haut zu gehen.

Und trotzdem: Mir fehlten die echten Gänsehaut-Momente, die düstere Tiefe und ein Dorn, der wirklich im Mittelpunkt steht. Für wen? Wer komplexe Thriller mit aktuellen Themen und einem Serienduo mag, das sich langsam entwickelt, kann hier gut zugreifen. Wer klassische Ermittlungsarbeit und atmosphärische Intensität sucht, könnte sich wie ich ein bisschen auf der Strecke fühlen.

Ich möchte betonen: Das ist ausschließlich meine Meinung – es gibt viele positive Stimmen für dieses Buch. Vielleicht passt die Reihe einfach nicht ganz zu dem, was ich persönlich bei Thrillern suche.

⭐️⭐️⭐️ 3 von 5 Sternen


💬 JETZT SEID IHR DRAN

Habt ihr Band 1 der Dorn-Reihe gelesen – und wie habt ihr den erlebt?

Findet ihr das Thema KI im Thriller-Genre spannend oder fühlt es sich zu gewollt-aktuell an?

Gibt es Reihen, bei denen ihr nach Band 2 weitergemacht habt – obwohl ihr zögerlich wart? Schreibt es mir in die Kommentare!


Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unberührt.

Eure Miriam

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